Die Zukunft in der Diagnostik des sensorischen Nervensystem: welchen Vorteil bringen moderne neurophysiologische Messverfahren?

PD Dr. med. Philipp Hüllemann, University Hospital Schleswig-Holstein, Department of Neurology

Details

  • Date: 29.04.2019
  • Time: 17:00 h
  • Place: Faculty Club, Building C, Faculty of Engineering, Kaiserstr. 2., 24143 Kiel

Abstract (in German)

Das somatosensorische Nervensystem ist in der Lage verschiedene Empfindungen über unterschiedliche Rezeptoren auf unterschiedlichen Nervenfasern weiterzuleiten, welche im Gehirn dekodiert und interpretiert werden. Entsprechend wird eine Berührung über dick myelinisierte A-Beta-Fasern übermittelt, ein Kaltreiz über dünn myelinisierte Kälte-leitende A-delta-Fasern, Hitzereize über Hitze-sensitive dünn myelinsierte A-delta-Fasern (AMH II), mechanische Reize/-Schmerzreize über mechano-sensitive dünn myelinisierte A-delta-Fasern (AMH I) und Wärmereize über nicht myelinisierte langsam leitende C-fasern. Die zentrale Verarbeitung dieser unterschiedlichen Empfindungen findet in Thalamus, somatosensorischem Kortex, präfrontalem Kortex, cingulärem Kortex, und anderen Teilen des limbischen Systems statt.

In den letzten Jahren wurden unterschiedliche elektrophysiologische Verfahren entwickelt, um jede einzelne Nervenfaserfunktion objektiv zu messen. Einige dieser Verfahren wie beispielsweise die somatosensorisch evozierten Potentiale zur Messung der Berührungsfasern oder die Laser evozierten Potentiale zur Messung der Hitzefasern werden bereits in der klinischen Routinediagnostik angewendet. Andere Verfahren wie beispielsweise die Wärme-, Kälte- oder Pinprick-evozierten Potentiale werden bisher ausschließlich in Forschungslaboren zum Verständnis unterschiedlicher Nervenfaserfunktionen eingesetzt.

Bisher wird in der klinischen Routinediagnostik das sensorische Nervensystem durch Ableitung somatosensorischer Potentiale im EEG gemessen. Dabei werden die Nervenfasern durch Stromimpulse erregt. Das Verfahren zeigt teilweise nicht-reproduzierbare Befunde, zudem können ausschließlich Aussagen über die Integrität der A-beta-Fasern (Berührungsfasern) getroffen werden, welche nur 20% des sensorischen Nervensystems ausmachen. Das schmerzleitende System (A-delta- und C-fasern) kann mit der Routinediagnostik nicht gemessen werden.

Durch neuere technische Entwicklungen können inzwischen alle klinisch relevanten sensorischen Modalitäten wie Vibration, Berührung, Pinprick (spitze Nadelreize), Hitze, Wärme und Kälte durch Stimulus-Synchronisation mit dem EEG in Form evozierter Potentiale abgebildet werden. Somit kann zum einen die Integrität des Hinterstrangsystem und des spinothalamischen Systems, zum anderen die Funktion der dick-, dünn- und unmyelinisierten Nervenfasern objektiv gemessen werden. Das sensorische Profil kann sowohl zur Phänotypisierung für klinische Studien genutzt werden als auch in der klinischen Routine wertvolle diagnostische Hinweise liefern.

Website News

07.08.2019: Talk from Juan Rafael Orozco-Arroyave added.

11.07.2019: First free KiRAT version released - a game for Parkinson patients

25.06.2019: About 30 pupils from the Isarnwohld-Schule in Gettorf visited us.

02.05.2019: Christin Baasch finished sucessfully her defense on the evaluation of Parkinson speech.

30.11.2018: New student project on driver distraction added.

Recent Publications

   

J. Reermann, E. Elzenheimer and G. Schmidt: Real-time Biomagnetic Signal Processing for Uncooled Magnetometers in Cardiology, IEEE Sensors Journal, Volume 15, Number 10, Pages 4237-4249, June 2019, doi: 10.1109/JSEN.2019.2893236

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